Aktion 2004: Rumänien


 

Besuch unseres Projektes in Rumänien (28. Juli - 1. August 2005)
 
   
 

Im Jahr 2004 beschlossen Musique et Vie und das Internationale Museum des Roten Kreuzes, die Kollekte der Sommerkonzerte einer Aktion in Rumänien zur Verfügung zu stellen.

Ausgewählt wurde schliesslich Csíkadánfalva, ein kleines Dorf in Transsilvanien. Frau Gabriella Màrffy, eine Musikerin des Berner Symphonieorchesters, die sich
seit mehr als 15 Jahren mit Kinderhilfe in Rumänien beschäftigt, riet uns zu dieser Gemeinde.
Sie beschrieb sie, wie dies im Continuo publiziert wurde, folgendermassen:

Csíkdánfalva ist ein musterhaft lebendiges Dorf, dank dem Bürgermeister István Márton . Von der Sporthalle bis zur Eisbahn, von traditionellem Handwerk bis zur gepflegten Disco, vom Strassenbau bis zur Kanalisation, vom Dorftourismus bis zum oekumenischem Treffpunkt hat er alles, was seinen Mitmenschen dient und gefällt, und was finanziell nur erreichbar war, ermöglicht und erkämpft.

 

 
 

Schliesslich folgte ich seiner freundlichen Einladung, Ende Juli an der Ein-weihungsfeier der neuen, von uns gestifteten Blasmusik teilzunehmen.

Nach einer mehr als 24-stündigen Reise komme ich endlich nach Sighisoara, das an der Bahnstrecke Wien-Bukarest liegt und werde herzlich von Gabriella Màrffy und dem jungen Ehepaar Klára und Lajos Bartalis empfangen.

 
   
 

Auf der langen Autofahrt an diesem Freitag lerne ich verschiedene Arbeitsgebiete von Gabriella Márffy kennen und empfinde grosse Hochachtung vor dieser Frau, die sich in ihrer ganzen Freizeit seit anderhalb Jahrzehnten humanitären Aufgaben in Rumänien widmet.

Die Menschen in diesen Dörfern lieben und verehren sie, sie wenden sich immer wieder mit ihren kleinen und grossen Sorgen an die freundliche Frau aus dem fernen Bern.

Auffallend ist, dass es nicht nur um materielle Hilfe geht, sondern um eine intensive Erziehung zur Solidarität in der Gemeinschaft.

Der protestantische und der katholische Pfarrer helfen mit bei den Projekten, für viele Leute im Dorf ist es selbstverständlich, dass sie den noch Ärmeren zur Seite stehen.

 
           
 

Eine heimatlos gewordene Familie, die Mutter mit sechs Kindern, ist in das halb zerfallene Haus ihrer Grossmutter gezogen. Es fehlt an allem und jedem.

Ein Nachbar hat eine Latrine gebaut, andere flicken das Dach und die Haus-wände und vergrössern die Wohnfläche.

Die Hoffnung auf ein etwas besseres Leben wächst, für die Mutter, für die Kinder, auch für das Dorf.

 
 

Am Samstagmorgen besuchen wir den Mark.

Csíkadánfalva ist berühmt für seine schwarze Keramik und für seine Wollteppiche und -decken.

In einem kleinen Raum finden wir Frauen des Dorfes, wie sie jungen Mädchen auf uralten Webstühlen beibringen, wie man aus Stoffresten vielfarbige Teppichen herstellt.

Eine alte Tradition wird an die nächste Generation weitergegeben, das Fest heisst nicht umsonst “Tage der Jugend und der Traditionsbewahrung”

 

 
  Hinter dem grossen Schulhaus hören wir Musikklänge. “Unsere” Jugendmusik übt für den morgigen Umzug und das nachfolgende Fest.
Die Gruppe ist sehr gemischt, nur 1/3 sind Kinder und Jugendliche. Der Unterricht hat erst vor 3 Monaten angefangen, viele der jungen Musiker, vor allem die Mädchen mit den Querflöten, sind noch nicht reif für den Auftritt, sie wurden vorerst durch Erwachsene ersetzt.
Sobald ein Kind soweit ist, tritt es in die Gruppe und übernimmt das entsprechende Instrument.
Mit zwei Ausnahmen haben auch die Erwachsenen vor drei Monaten mit den Kindern angefangen. Eine beachtliche Leistung!


 
 
 
 


Gegen Abend werden wir von den Dorfbehörden empfangen.

In einer Aussprache wird uns der Dank der Gemeinde übermittelt, alle sind Musique et Vie für die Spende der vielen Instrumente tief verbunden. Ich bekomme die letzten Abrechnungen, das übrig gebliebene Geld wird für die kleine Besoldung des Dirigenten in den nächsten zweieinhalb Jahren eingesetzt.

Die Gemeinde übernimmt von jetzt die ganze Verantwortung.

Als der Bürgermeister mir das Wort gibt, schildere ich ganz kurz die ursprüngliche Idee von Musique Espérance und die Realisierungen von Musique et Vie Suisse.Ich betone dabei, dass wir keineswegs eine reiche Stiftung oder eine finanzkräftige Institution seien, sondern dass in 50 Konzerten im Museum des Internationalen Roten Kreuzes in Genf freiwillige Musikerinnen und Musiker die ganze Summe zuammengetragen hätten und schliesse mit den Worten:

“Nicht eine Finanzgruppe oder eine anonyme Stiftung, sondern die Musik hat Ihnen die Dorfmusik zurückgebracht.”

 

 
 

Am Sonntagmorgen werden wir durch Töne geweckt: die Musiker sitzen auf einem Lastwagen, fahren durch das ganze Dorf und spielen an jeder Strassenkreuzung ihre rassigen und unterhaltsamen Weisen.

Die Zuhörer sind sichtlich gerührt und sparen nicht mit Applaus und auch nicht mit dünnflüssigen Gaben für die Erwachsenen. Sonst aber herrscht strikte die 0,0-Promille-Grenze.

 

 
 

Zwei alte Männer haben Tränen in den Augen und erzählen, sie hätten seinerzeit noch in der alten Dorfmusik gespielt. Dann sei alles verloren gegangen, aber jetzt sei die Musik wieder da, das sei wunderbar.

Eine alte Frau sagt ergriffen, sie begreife nicht, dass es Leute gebe, die so weit weg wüssten, was sie sich sehnlich gewünscht hätten und diese Wünsche tatsächlich erfüllten.

 

 
 


Es ist ein grossartiges Fest, das die Leute der ganzen Region vereint. Gruppen treten auf, spielen und tanzen.
Es gibt Wettbewerbe um das beste Mittagsessen, das beliebteste Blasmusiksensemble, Tanzgruppen mit Jugendlichen in den alten Trachten treten auf die Bühne, ein Wettbewerb mit Volksmusiksängern findet statt.

 

 
 
 
           
 

Ich darf noch einmal Musique et Vie vorstellen und ernte Beifall mit dem abgeänderten Wort von Antoine de Sainte-Exupéry: “Man sieht nur mit dem Herzen und mit der Musik gut”.

Es war eine seltene Gelegenheit, den Abschluss eines unserer Projekte so hautnah zu erleben. Ich habe einmal mehr den festen Eindruck gewonnen, dass sich unsere Arbeit lohnt und dass „Musik und Leben“ hier in diesem kleinen Dorf in Siebenbürgen nicht nur ein Name darstellt, sondern eine schöne Wirklichkeit geworden ist.

 
           
 

 

 
 
 
 

 

 
 
Wirkungen einer Konzertreihe
 
 

Rechenschaftsberichte zeigen eher äusserliche Erfolge: Besucherzahlen, Höhe der Kollekte usw. Die Wirkung auf den einzelnen Konzertbesucher können sie nicht ausdrücken.
Umso mehr freut es uns, drei unmittelbare Wirkungen der Sommerkonzerte 2004 darstellen zu können.

 

 
 

 



Eine Frau schenkt uns für die Rumänienaktion ihre alte Geige
Frau Gabriella Marffy, die Leiterin der Rumänien und selber Violonistin im Berner Symphonieorchester, schreibt dazu:

Ganz herzlichen Dank der Besitzerin für die wunderschöne Geige! Es handelt sich um ein Instrument des Geigenbauers Louis Fischesser (1861-1937), der etliche Jahre in Genf lebte.
Sie ist wundervoll rund, schön, tragend, kraft- und glanzvoll im Klang, sehr ausgeglichen, leicht zu spielen, gut eingerichtet, sehr gesund und gut erhalten; sehr persönlich und liebevoll gearbeitet und offenbar auch gut bespielt, nicht forciert und nicht unterfordert, sondern "ans Sprechen" gewöhnt.
Wer sie bekommt, kann sich glücklich schätzen.
Jetzt gilt es also, den Würdigsten auszusuchen.
Ich bin der Meinung, es sollte ein junger Mensch sein, der am Ende seines Studiums unterwegs zur Konzertkarriere ist, jemand, der diese Geige nicht nur als professionelles Werkzeug, sondern als "Lebensgefährtin" schätzen wird.

 
 
 
 

 

Uniformen für eine Dorfmusik

Die Besucherin eines Konzertes im Museum des Roten Kreuzes meldet uns, in ihrer Gegend habe die Dorfmusik neue Uniformen angeschafft und stellt uns 20 der alten Kleidungsstücke zur Verfügung.
In Rumänien ist die uniformierte Dorfmusik eine alte Tradition, gegenwärtig erlaubt die wirtschaftliche Situation eine solche "Luxusausgabe" auf keinen Fall.
Die 20 Uniformen werden eine Dorfgemeinschaft sehr glücklich machen und die Leute an alte, bessere Zeiten erinnern.

 
 

Hilfe von andern Organisationen
Ein aufmerksamer Besucher hat sich über die 3 Bildtafeln von Andrej Marffy von unserer Rumänienaktion sehr gefreut.
Herr Gabor Minder vom Rotary Club hat sie eingehend studiert und beschlossen, seine Organisation für ein soziales Projekt zu gewinnen. Seine Mutter stammt aus der Gegend unseres Projektes.

Er hat daraufhin die alte Heimat besucht, Kontakt mit einigen Verantwortlichen und dem dortigen Rotary Club aufgenommen. Es gab sehr freundschaftliche und einvernehmliche Begegnungen.
Die Welt ist klein, alle hatten aus alten Zeiten eine Reihe von gemeinsamen Bekannten und verstanden sich von Anfang an gut.

Zwanzig Stipendien im Schuljahr 2006 für mittellose Schüler sind durch diese Aktion gesichert worden.



 
  Zwei Jahre später    
 

 

An einem öffentlichen Wettbewerb an der Kunsthochschule in Cluj-Kolozsvàr hat der zwanzigjährige Geiger, RASVAN DUMITRU, die Fischesser-Violine leihweise für zwei Jahre gewonnen.

Er hat sich am 20. November 2005 mit einem eindrücklichen Sonatenabend, begleitet vom 25-jährigen Horia Haplea, in La Conversion und in Bern vorgestellt - und wurde erneut überrascht:
Die Verantwortlichen der Organisationen "Kinder aus Rumänien" und "Musique et Vie" haben sich entschieden, Rasvan Dumitru, auf Grund seiner ausgezeichneten Referenzen und der künstlerischen Fortschritte, bei dieser Gelegenheit die Geige und den Bogen als Geschenk für immer zu überlassen.
Man war zur Überzeugung gekommen, dass das Instrument "in besten Händen" sei.

Es war eine wunderbare Begegnung mit den zwei jungen Musikern aus Rumänien, die Verbindung mit ihnen wird nicht so bald abreissen.

 

 
 

Die Uniformen aus Meinier GE wurden in Csíkdanfálva mit grosser Begeisterung aufgenommen.
Kürzlich hat uns eine Bekannter aus dem Dorf mitgeteilt:
Es ist ein grosses Interesse da für das Orchester und viele möchten in unsere Schar eintreten.
Das Weihnachtskonzert war sehr erfolgeich, wir möchten das Orchester noch erweitern. Wir haben beim Rat eine Eingabe gemacht, dass das Orchester einen Mantel und eine Mütze braucht. Das Geld für diese Anschaffungen sind im Voranschlag des Jahres 2006 enthalten. Die Gemeinde hat uns auch für 2006 ein Trommel-Set gekauft.
Ich danke sehr im Namen des Orchesters für Ihre Hilfe.
Viele Grüsse Lajos


 
 


Das Blasorchester von Csikdànfalva ist am Ostersonntag in der katholischen Kirche von Gyergyòszentmiklòs / Gheorgheni mit Bach-Chorälen auftreten.

Zum erste Mal ist die Bläserkapelle in einem klassischem Konzert augetreten, in dem aucxh Gabriella Màrffy, Violine, Solowerke von J. S. Bach spielte. Gemeinsam haben sie vor dem Publikum ihren Dank an die Gönner in der Schweiz ausgesprochen.

 

Das rührige Blasorchester von Csíkdánfalva schickt uns jedes Jahr zwei Aufnahmen seiner Konzerte und stellt die Musikerinnen und Musiker mit ihrem Dirigenten in voller Aktion vor.

Unsere Aktion hat sich unerwartet rasch entwickelt und bereichert eine ganze Region mit Musik.

Was kann sich Musique et Vie Besseres wünschen ?

           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
^