Aktion 2011
Die Kollekte der Sommerkonzerte in der lutherischen Kirche in Genf soll der Musik und Musiktherapie für Menschen mit besonderen Bedürfnissen in Santiago de Chile zugute kommen.
 
Unsere Unterstützung geht an die ANADIME, eine private gemeinnützige Organisation, welche drei Institutionen mit insgesamt 400 Personen betreut:
- Integrationskindergarten "Centro Educativo Nuevo Mundo"
- Sonderschule "Escuela Especial Nuevo Mundo"
- Geschützte Arbeitsstätte für Erwachsene "Talleres Laborales Protegidos"
 
 


 

Die 104 Kinder im Kindergarten, 16 mit einer Behinderung oder Entwicklungsstörung, kommen aus der untersten Gesellschaftsschicht Chiles. ANADIME kann ihnen die Betreuung und drei Mahlzeiten bieten.


Viele dieser Kinder sind nicht nur von der extremen Armut betroffen, sondern auch konfrontiert mit drogenabhängigen Eltern, mit Gewalt und Isolation.

 

 

 

 
 
Die Musik kann auf verschiedene Weise zur Verbesserung ihrer Lebensqualität beitragen, etwa durch:
• Erfahrung von Wertschätzung
• Förderung des Selbstbewusstseins
• Steigerung der Kontaktfähigkeit
• Musik als Medium für non-verbalen Ausdruck von Emotionen • Förderung der musikalischen Fähigkeiten
 
 

 

Die Kinder, die Jugendlichen und Erwachsenen profitieren von dem musikalischen Angebot (Musiktherapie, Musikunterricht und Workshops).

 
 
Seit 1994 arbeitet der chilenische Musiktherapeut (Universidad de Chile) Ernesto Paz in der Sonderschule von ANADIME. Seit Juli 2009 ist zusätzlich die österreichische Musiktherapeutin (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien), Magdalena Fingerlos, in den drei Einrichtungen tätig.
 
 
Die Ressourcen sind allgemein in den drei Institutionen knapp. Die Arbeitsrealität ist demnach geprägt von den fehlenden Mitteln. Für die Therapeuten bedeutet dies:
• Keine, wenige oder kaputte Instrumente
• Keine ordentlichen Geräte zum Musik hören
• Keine Teppiche oder Kissen für ein angenehmes Arbeiten am Boden
• Geringe Bezahlung
 
 
Die Kollekte der Sommerkonzerte 2011 ist für die drei Institutionen der ANADIME in Santiago de Chile bestimmt. Sie soll dazu beitragen, Instrumente und Basismaterial zu erwerben und die Fortbildung von Therapeuten/Lehrer zu ermöglichen.

 
 


Bericht der österreichischen Musiktherapeutin, Magdalena Fingerlos, in Chile

Seit Juni 2009 arbeite ich als Musiktherapeutin für die Asociaciön del Discapacitado Mental (ANADIME) in Santiago de Chile, erst ehrenamtlich und seit 2010 bezahlt. Es gibt viel zu tun und ich spüre immer wieder, wie wichtig der Beitrag der Musik zur Verbesserung der Lebensqualität für viele Menschen - egal ob alt oder jung, mit oder ohne geistiger Behinderung - sein kann.

Seit März 2011 sind sogar drei Musiktherpeuten in ANADIME beschäftigt (Ernesto Paz, Paz Ulloa, Magdalena Fingerlos), was auch zeigt, dass die Kraft der Musik auch von der Asociaciön wertgeschätzt wird. Im Musikunterricht und in Musikworkshops werden chilenische und internationale Lieder instrumental und vokal einstudiert. Jedes Jahr freuen sich die Schüler der Sonderschule „Nuevo Mundo" und die Teilnehmer der geschützten Arbeitswerkstätte vor Publikum aufzutreten. Diese kleinen Konzerte stärken das Selbstbewusstsein und fördern das Gemeinschaftsgefühl der Gruppen. Es ist jedes Mal berührend, wie unmittelbar diese „besonderen" Personen die Freude auch auf der Bühne ausdrücken können. Ein strahlendes Lachen, ein Luftsprung, Freudentränen, Mitklatschen mit dem Publikum...

Ich persönlich schätze die intime Arbeit der Musiktherapie sehr, wo es vor allem darum geht die Kontaktfähigkeit und den Ausdruck der Gefühle zu fördern. In Kleingruppen oder in Einzeltherapien werden verschiedene Instrumente (Trommeln, Flöten, Rasseln, Saiteninstrumente, Klangstäbe...) dazu verwendet, sich ohne den Gebrauch des Wortes (körperlich, klanglich, musikalisch) zu äußern und zu kommunizieren. Viele Menschen mit geistiger Behinderung oder Entwicklungsstörung haben Schwierigkeiten, sich verbal zu verständigen. Die Musik kann ein Medium sein, um endlich einmal das Ungesagte und Unterdrückte zum Klingen zu bringen, die Wut, die Trauer, die Verzweiflung, die Einsamkeit...

In einer sicheren, stabilen therapeutischen Beziehung kann so eine Kommunikation stattfinden, welche die Lebensqualität verbessert. Die Erfahrung „Ich werde gehört' und „Ich höre mich selbst" können maßgeblich zu einem persönlichen Wachstum beitragen! Im Kindergarten bin ich als Musiktherapeutin oft mit der harten Realität der Kinder (mit oder ohne, geistiger Entwicklungsstörungen) konfrontiert: Missbrauch, Erfahrung von, drogenabhängige Eltern, Vernachlässigung...

In der Musiktherapie erfahren meine jungen Schüler eine wohlwollende, sichere, liebevolle Atmosphäre begleitet mit passenden Klängen, wo ein allgemeines Grundvertrauen repariert oder entwickelt werden kann. Die Kinder finden einen Ort wo ihre Wut und Verzweiflung Ausdruck finden kann. Die Kinder haben oft die Worte (noch) nicht, um ihre Erlebnisse zu teilen, ein Schlag auf die Trommel, ein lauter Flöten-Schrei, eine Fingerpuppe, die von der Trommel eingesperrt wird... sagen oft viel mehr aus als tausend Worte. Untereiner guten Begleitung durch eine Musiktherapeutin in einem geschützten Rahmen können die Kinder lernen, sich Herausforderungen zu stellen, ohne Gewalt oder Bedrohung zu erfahren.

Die Musik erhöht in ANADIME für viele Menschen die Lebensqualität!