AKTION DER SCHWEIZERISCHEN VEREINIGUNG Musik+Leben (vormals Musique Espérance)
UND DER SCHWEIZERISCHEN CHORVEREINIGUNG

MUSIKSTIPENDIEN IN DER SCHWEIZ FÜR KINDER UND JUGENDLICHE MIT EINER BEHINDERUNG

 

           

Erstes Kapitel:
Es begann in Frankreich.

Konzert in Villebon am 21 März 1998 zum 15jährigen Bestehen von Musique Espérance: Auftritt von Michel Petrucciani.
Der fröhliche kleine Mann mit seinem Gebrechen, das er aber nie als solches betrachtete und mit seinem Optimismus und seiner unerhörten Musik in aller Welt Freude bereitet war wie ein erster unbewusster Keim zu unserer Aktion.
Ein Jahr später war Michel Petrucciani nicht mehr unter uns, er starb am 6. Januar 1999.
Für mich, und auch für andere, geschieht die Aktion der Musikstipendien für Kinder und Jugendliche in der Schweiz zu seinem Andenken.

Michel Petrucciani hat in seiner Jugend die nötige Unterstützung und Hilfe gefunden. Es ist nicht mehr als recht und billig, wenn wir heutigen Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung ebenfalls Hilfe und Unter-stützung zukommen lassen.
Nicht weil wir glauben, dass aus ihnen ein neuer Michel Petrucciani heranwachsen könnte, sondern weil wir meinen, dass die Grundsätze von Musique Espérance, die Musik im Dienste der Menschenrechte, des Friedens und der Jugend auch in seinem Leben integriert waren und in ihm, dem kleinen Mann mit der grossen Seele, Ausdruck und Erfüllung fanden

2. Kapitel:
Das „Märchen“ von Genf

Es ging alles wie am Schnürchen: Die Veranstalter eines Galakonzertes in Genf wollten Musique Espérance für seine Aktion Fr. 100’000.- überreichen.
Ray Charles, ebenfalls ein Behinderter, blind seit seiner Jugend, sollte mit seiner Kunst für uns und unsere Anliegen werben.
Ray Charles war grossartig, das finanzielle Resultat gleich null.

Die Bewegung Musique Espérance ging nicht ganz leer aus, sondern wurde Besitzerin von 3 ausgezeichneten Musikinstrumenten im Wert von fast 3000 Fr, welche uns von Genfer Musikgeschäften geschenkt wurden.

3. Kapitel
Die Hilfe der Schweizerischen Chorvereinigung.

Im Herbst 1998 schlug uns der Präsident der Schweizerischen Chorvereinigung eine gemeinsame Aktion vor. Musique Espérance begrüsste die Zusammenarbeit und dankte für das Angebot dieser grossen Hilfe.

Am Anfang waren es nun nicht Fr. 100’000, sondern kleine und grössere Beträge von überall her.

Es war für uns sehr beeindruckend, wie viele Chöre aus der ganzen Schweiz bei dieser Aktion spontan mitmachten und wie viel Zustimmung wir für unsere Arbeit bekamen.

Das Aktion ging nach zwei Jahren ihrem Ende entgegen.
Zum letztenmal erschien der kleine Gitarrenspieler von Felix Hoffmann, der uns in der ganzen Zeit als Hoffnungsträger begleitet hatte.

Die Solidarität der Schweizer Chören im ganzen Land zu erfahren, war ein wirklich bewegendes Erlebnis für uns alle von Musique Espérance / Musique et Vie Schweiz.

Ganz offensichtlich löste das gemeinsame Singen Erfahrungen und Gefühle aus, die weit über das hinausgingen, was sonst in andern Gruppierungen passiert.

Das Bemühen um Harmonie und Wohlklang, das Eingehen in die Gedankenwelt und Motive derjenigen, welche die Musik geschaffen haben, die intensive Beschäftigung mit andern Menschen, die neben und mit einem singen und Musik machen, führt wohl dazu, dass man sich leichter und intensiver öffnet für Mit-menschen und ihre Probleme. In diesem Fall haben nun Kinder und Jugendliche davon profitiert, denen es weniger gut geht und welche den Zugang zur Musik suchen und nötig haben.

Die Hilfe, die wir alle ihnen und ihren Eltern nun geben konnten, bereicherte ihr Leben, gab ihnen Trost und Selbstbestätigung, gab ihnen auch Kraft und Mut.

 


Wir haben das Gefühl, die Gedanken von Musique Espérance seien auf fruchtbaren Boden gefallen.

Aus den Briefen der Musikerinnen und Musiker:

Wir finden die Idee, einmal “andere” Menschen musikalische zu fördern und zu unter-stützen sehr sinnvoll. Viele geistig Behinderte haben Zugang zur Musik und können oft ein Instrument spielen lernen. Dass Sie gezielte Hilfe in Einzelfällen leisten, freut uns.

Ihre Informationen über das wunderbare Werk von Musique Espérance haben wir mit grossem Interesse gelesen und danken Ihnen herzlich für die grosse Arbeit, die international für benachteiligte Mitmenschen geleistet wird. Neben den schlechten Nachrichten, die man tagtäglich in der Zeitung liest, ist es eine wahre Wohltat, Ihre guten Mitteilungen zu vernehmen.

Wir hoffen, dass wir mit unserem Erlös dazu beitragen können, dass irgendwo und irgendwem die Freude und die Möglichkeit geboten werden, an der wunderbaren Welt der Musik teilhaben zu können.

Wir hoffen sehr, mit unserem Beitrag etwas Freude vermitteln zu können. Es liegt allen Teilnehmern und den Organisatoren am Herzen, die Idee der Ausrichtung von Musik-stipendien in der Schweiz fur Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung zu unter-stützen.

Wir beglückwünschen Sie zu Ihrem Tun und wünschen Ihnen Kraft (und natürlich auch die nötigen Finanzen), um das Werk erfolgreich weiterführen zu können.

 
                       
 

Die selbstlose Mithilfe der Schweizer Chöre hat auch andere Spender beeindruckt und die Gaben sind so reichlich geflossen, dass wir vor Jahresende den angestrebten Betrag von 100’000.- erreicht hatten.

Einen Drittel des ganzen Betrages haben wir von grossmütigen Spendern erhalten, und das in einer Zeit, wo die Bettelbriefe in grosser Zahl ins Haus fliegen. Die erträumte Marschroute konnte eingehalten werden: 50’000.- bis Weihnachten und Ende des Jahres 2000 75’000.- weit über 100’000.- bis am Ende der Aktion.

Damit konnten wir für 2-3 Jahre ungefähr 25 Kinder und Jugendliche unterstützen.

                       
 

Beeindruckend ist aber auch der Betrag, der von Angehörigen von Musique Espérance zusammengetragen wurde. Sie alle haben in grosszügiger Weise zu diesem Erfolg beigetragen.

Der materielle Erfolg ist die eine Seite, sie ermöglicht Hilfe und Unterstützung, die andere Seite aber ist die Solidarität von Hunderten von Menschen in der Schweiz mit Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung, ist die Solidarität mit dem Gedankengut von Musique Espérance, welches die Musik in den Dienst der Menschenrechte, des Friedens und der Jugend stellt.

Sie haben auch uns Mut und Vertrauen in unsere Arbeit gegeben. Dafür danken wir allen.

                       
 

Ganz besondern Dank gebührt aber der Schweizerischen Chorvereinigung, ihrem Präsidenten Jean-Pierre Salamin, er hat für die Aktion den entscheidenden Anstoss gegeben und vor allem der Redaktorin der Schweizerischen Chorzeitung, Frau Theres-Ursula Beiner.
Ohne ihre unentwegte Mitarbeit, ohne ihr Mitdenken und ohne ihr sicheres Gespür wären unsere Appelle im Nichts verhallt und hätten nicht dieses unerhörte Echo bei den Chören in der ganzen Schweiz gefunden.
Wir danken ihr, dass sie den Weg mit uns gegangen ist, sich nie entmutigen liess und sich über die Erfolge mit uns von Herzen gefreut hat.

 

 
Die Musik gibt uns das Gefühl einer bessern Welt
J.W. von Goethe
 
 
 
Auf dem Weg nach Cuszco, Peru 1954 © Werner Bischof
Die Aufnahme wurde uns von der Bischof Estate, Zürich gratis für unsere Aktion zur Verfügung gestellt
 
                       
 
Aktion 2001/02: „..ihnen eine Sprache geben“
 


Im Jahr 2001/2002 hat Musique et Vie mit seiner Aktion „Wege zur Musik öffnen für Kinder und Jugendliche in der Schweiz mit einer Behinderung“ begonnen. Mit Hilfe von Chören aus der ganzen Schweiz sind weit über 100‘000 Fr. zusammengetragen worden.

Seither haben wir aus diesem Fonds Kinder und Jugendliche mit Beiträgen für Musikunterricht, Ankauf von Instrumenten unterstützt, haben Heime mit kostbaren Instrumenten ausgestattet, die sie sich aus ihren Budgets nicht hätten leisten können und immer wieder versucht, dort zu helfen, wo ein Weg zur Musik geöffnet werden konnte.

Nun ist das Geld fast aufgebraucht, wir schliessen noch die laufenden Aktionen ab, nehmen aber nicht neue Projekte an.

Die Arbeit mit behinderten Kindern und Jugendlichen hat Gerda Bächli auf eine einfache Formel gebracht:

„Es ist an der Zeit, den behinderten Menschen ihre Sprache zu geben.
Die Musik zeigt den Weg.
Beweglich sein, vielerlei anbieten
Nie eine Leistung forcieren
Nicht der Inhalt ist wichtig, sondern das Kind
Nicht ein abstraktes Kind, sondern das einmalige, besondere, das Du vor Dir hast.
Nicht vergleichen, weder mit anderen Fällen - es gibt gar keine Fälle, es gibt nur Kinder - noch mit dem, was dieses Kind schon einmal konnte oder können sollte.
Sich freuen an dem, was ist.“